Die Macht der Marke – Oder die Ohnmacht, mit
ihr umgehen zu können
Vortrag zur Mitgliederversammlung des Fachhandelsrings Erzgebirgische Volkskunst am 28.04.03 in Schönheide von Thomas Rost, Agentur Rost & Partner Dresden
Sie haben sich in einer schwierigen Zeit getroffen. Schwierig gleichermaßen
für die Hersteller der Erzgebirgischen Holzkunst wie für den deutschen Handel
und damit auch die Mitglieder des Fachhandelsrings. Was kann ich in die
Diskussion über die richtigen Wege für die Zukunft einbringen? Keine
Lösungen, auf die andere Branchen nicht auch schon gekommen wären. Aber
eine Betrachtung, die zum Gedankenaustausch anregt, wie das Miteinander
zwischen Herstellern und Händlern verbessert werden kann – und nicht, die der
FHR aufgelöst werden kann.
Meine Agentur begleitet den Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und
Spielzeughersteller seit 8 Jahren in der Kommunikation der Dachmarke
„Echt Erzgebirge – Holzkunst mit Herz“ – zeitweise sehr intensiv und manches
Jahr auch mit etwas mehr Abstand. Im Jahr 1999 bestand eine der
Aufgabenstellungen darin, ein Signet zu entwickeln, das vergeben werden sollte
an ausgewählte Fachhandelsgeschäfte. Es entstand ein Zeichen, das heute
etwa 100 Geschäfte in Deutschland kennzeichnet. Doch so einfach wie es
sich sagt ist der Alltag offenbar nicht.
Sie stehen gemeinsam vor Problemen, die einerseits auf beiden Seiten „zu
Hause“ sind – nämlich einerseits im Verband der Kunsthandwerker selbst, wenn
es um das Zusammenspiel zwischen den Herstellern untereinander und mit dem
Dachverband geht.
Aber auch auf der Seite des FHR, nämlich zwischen den Fachhandelsgeschäften
untereinander. Oder im Geschäftsalltag zwischen Einzelhändlern und
Einzelherstellern. Nicht weniger Fragen wirft die Kooperation zwischen den
Beiden Dachgremien auf – Verband und FHR.
Es geht um Sortimente, Preise, Verpackungen mit Signets, es geht um
Konditionen und Kriterien für die Mitgliedschaft. Es geht um die Markenpflege.
Und während wir uns mit diesen Dingen beschäftigten geschieht um uns herum
Etwas, was uns – ungeachtet dieser „internen Probleme“ wieder verbindet: Wir
leben in einer Zeit, in der sich der Verbraucher verändert, sein Kaufverhalten
und seine Einstellung zu Marken.
Deshalb möchte ich Sie einladen zu einem hoffentlich unterhaltsamen Exkurs
in eine Welt, die uns beide verbindet – in die Gedankenwelt des
Verbrauchers. Der weiß nichts von unseren internen Diskussionen, der erlebt nur
was wir ihm bieten: Produkte, Werbung, Einkaufserlebnisse.
Beginnen möchte ich bei einem Spitzenwert: 77 Prozent der Deutschen kennen
Erzgebirgische Holzkunst. Im direkten Umfeld liegt beispielsweise Ikea (80
Prozent).Ungeachtet des hohen Bekanntheitsgrades musste die Branche aber im
vergangenen Jahr durchschnittlich 3 bis 4 Prozent Umsatzrückgang hinnehmen.
Das heißt natürlich auch bei Ihnen in den Fachgeschäften im Durchschnitt
Stagnation - bezogen auf das Erzgebirgische Sortiment.
Bei Ikea ist das anders.
Woran liegt das?
Der Exkurs beginnt dort, wo Marken ihren Anfang hatten: Etwa dort,
wo Viehzüchter in grauer Vorzeit ihren Tieren einen Brandstempel verpassten
um sie zu kennzeichnen. Damit sich auch der Nachbar orientierten konnte, wem
gehört was. Im Laufe der Zeit wurde auch klar, dass Tiere mit einem
bestimmten Stempel zu einem ganz bestimmten Bauern gehörten. Und
irgendwann sprach es sich auch herum, welcher Brandstempel für welchen
Besitzer und für welche Qualität des Tierbestandes stand. Ganz simpel, aber so
ist es dem Wesen nach bis heute.
Marken haben Grundfunktionen: Sie sollen Kennzeichnen/markieren und so
dem Konsumenten bei der Orientierung helfen. Das konnten sie, weil sich
die Marken differenzierten (jeder hatten seinen eigenen Brandstempel). Die
Marken haben Eigenschaften und verkörpern eine Leistung, sie haben Werte
und Charakter und sie haben eine Erscheinung.
Marken sind wie Menschen. Sie entwickeln sich, werden zu Persönlichkeiten,
die attraktiv und begehrt sind, von denen eine Ausstrahlung ausgeht, die klare
Aussagen zu sich treffen – oder die ewig etwas nachmachen, was andere auch
tun und vielleicht sogar noch etwas schlechter aussehen. Und wenn Marken wie
Menschen sind, dann haben sie auch vergleichbare Probleme.
Ich habe dafür ein Beispiel ausgewählt, mit dem Sie alle etwas anfangen
können:
Es ist das Beispiel der ältesten Marke der Welt: der Kirche. Wo Sie innerhalb
einer Konfession auch hinkommen: Überall die selben Gebäude, die
selben Reden, die selben Lieder, die selben Inhalte, die selbe Erscheinung. Aber
Marke Kirche hat ein Problem: Ihr laufen die Mitglieder weg, und das liegt ja
nun weiß Gott nicht am zu geringen Bekanntheitsgrad. Und auch Themen gibt
es genug, zu denen die Menschen Orientierung suchen. Also, was ist es?
Die Orientierungsfunktion ist verloren gegangen. Immer weniger gelingt es
der Kirche Antworten auf jene Fragen zu finden, die die Menschen brauchen,
um im heute klar zu kommen. Und wenn die Orientierungsfunktion fehlt,
gehen Begehrlichkeit und Attraktivität der Marke verloren. Sie ist
in ihren Inhalten stehen geblieben über viele Jahrzehnte, wenn nicht
Jahrhunderte, weil sie sich nicht erneuert hat. Marken, die sich nicht
erneuern, büßen an Boden ein.
Und so abwägig es auch klingen mag, damit sind wir beim Marketing.
Denn die Kunst des Marketings besteht nicht darin, sich selbst ewig treu zu sein.
Die große Kunst ist, ständig anders zu sein als andere, ohne sich selbst zu
verraten.
Um beim Beispiel Kirche zu bleiben: Es geht nicht darum, die
Leistung der Kirche, die vermittelten Grundsätze und Werte oder auch die
Erscheinung in Frage zu stellen oder zu verändern, auch nicht die Lieder.
Aber es muss immer wieder eine aktuelle Begründung geben, warum ich in die
Kirche gehen soll. Weil es die Eltern getan haben oder weil es gerade wieder
Sonntag ist – das reicht offenbar nicht mehr.
Damit sind wir bei den vier Erfolgsfaktoren für Markenführung:
Es ist 1. die Frage, wie es mir gelingt, den Nutzen und den Vorteil zu vermitteln
(neudeutsch Reason why), dass sich jemand für mich als Marke entscheidet.
Es ist 2. der Kommunikationsdruck, den ich aufbaue, um zu überzeugen. Es
sind zum dritten die Innovationen, das Jungerhalten der Marke und es ist
4. die Kontinuität, also die Wahrung der Markenidentität. Ich komme darauf
zurück, wenn wir gleich auf Ihre Produkte und Marken zu sprechen kommen.
Es gibt übrigens eine Gemeinsamkeit zwischen dem Handel und den
Marketingleuten: Es geht um einen ideenreichen Verkauf. Auf der einen Seite
von Ideen - nicht um immer neue bunte Bilder. Und auch nicht darum ständig
etwas Neues machen zu wollen oder auch zu müssen, ohne dabei die eigene
Linie, das angestammtes Sortiment in Frage stellen zu müssen.
Auch nicht das zu Kopieren, was ein anderer ganz erfolgreich macht, vielleicht
etwas variiert. Aber Qualität allein ist es offenbar nicht, die den Kunden
im Moment überzeugt, denn sonst stünden nicht die Markenartikler dieser Welt,
die als einen ihre Grundwerte Qualität versprechen, vor vergleichbaren
Problemen:
Wer Marke produziert und verkaufen will, ist von den Rahmenbedingungen
abhängig, die uns umgeben. Gestatten Sie mir auf einige einzugehen:
Alles ist Marke geworden.
Wissen Sie, wie viele Marken in Deutschland inzwischen registriert
Sind? 1 Million, Tendenz steigend. Die Etablierung einer neuen Marke
wird immer schwieriger, es gelingt derzeit fast nur noch, neue Produkte
einer bekannten Marke auf den Markt zu bringen. Dazu müssen Sie
gegenwärtig im Minimum 5 Millionen Euro in die Hand nehmen.
Wer die nicht hat oder ein Produkt, dass offenbar keiner braucht,
landet einen Flop. Im Jahr 2001 (neuere Zahlen gibt es noch nicht)
wurden in Deutschland 32.500 Produkte neu eingeführt – Branchen
übergreifend. Was meinen Sie, wie viele sind ein Jahr später wieder
weg? – Gut 22.500, oder 64,5 Prozent. Fast zwei Drittel erweisen
sich als Flop.
Wie soll bei einer derartigen Flut und dem Auf und Ab noch eine Marke
ihre Orientierungsfunktion für den Verbraucher übernehmen? Die
Marke hat damit eine ihrer Grundfunktionen (sie erinnern sich an
den Ursprung der Marke) verloren.
Qualitätspatt und Markengleichheit
Entdecken Sie noch die Unterschiede bei vergleichbaren Produkten? Ist
der PC beim Aldi besser oder schlechter als der aus dem Fachgeschäft?
Wissen wir nicht, nur preiswerter ist er.
Der Ursprung und der Vorsprung, eine Marke steht für Qualität, hat sich
relativiert. Ist Sixt besser als Europcar? Ist Spee besser als Ariel?
Was ist anders zwischen den beiden Marken? Marken haben es also
immer schwerer, ein Qualitätsversprechen zu kommunizieren – und
oftmals gibt es im Produkt selbst auf der sachlichen, rationalen
Ebene auch keine spürbaren Unterschiede mehr.
Dadurch werden die Markenartikel immer ähnlicher.
Wir erleben die Aldisierung.
Der Handel ist unter Druck, heißt es. Sinkende Kaufkraft, kleinere Margen,
immer mehr Fläche. Sie wissen, dass im Handel die durchschnittliche
Diebstahlrate mit 1,75 % höher ist als die durchschnittliche Rendite mit
0, 75 %. Handelsmarken haben Hochkonjunktur. Der Handel ist – auch bezogen
auf die Herstellerseite - zur Macht geworden, der Informationsvorteile hat –
beispielsweise über seine hauseigenen Kommunikationswege wie Handzettel
und Ladenfunk. Fragt man die Deutschen, was ihre Kaufentscheidung
gegenwärtig am meisten beeinflusst, steht eben dieser Handzettel ganz oben in
der Gunst (75 %), während Fernsehwerbung nur noch 12 % beeinflusst.
Was jedoch noch bedrohlicher ist: Der Handel profiliert sich zunehmend nicht
mehr mit den Marken, die er handelt, sondern mit sich selbst. Er wird zur
Marke. Es ist keine Schande mehr, bei Aldi einzukaufen. Aldi hat es geschafft
mit dem Versprechen „Bei uns finden Sie höchste Qualität zum besten Preis –
immer“.
Dort muss gar keine Marke mehr im Markt stehen, man geht zur Marke
einkaufen. Eine jüngste Statistik hat ergeben, dass mehr als 60 % der
Fahrzeuge auf den Parkplätzen bei Aldi gehobene Mittelklasse und
besser sind. Es ist also nicht eine Frage des Geldes, sondern hier ist ein
Trend geprägt worden, und man will „in“ sein. Und wenn der Trend so
anhält, werden die Leute, die dort eine billige Weihnachts-
Pyramide gekauft und später daheim aufgestellt haben, nicht mehr sagen,
„die ist aus Fernost“, sondern „die ist von Aldi“. Und keiner nimmt Anstoß
daran.
Schlimm genug, dass sie nicht aus dem Erzgebirge ist. Und schlimm genug,
dass sie nicht im gehobenen Fachhandel gekauft worden ist.
Es geht hierbei keineswegs nur um Aldi und Lebensmittel. Was meinen Sie, was
passiert, wenn die Bekleidungskette „H & M“ Claudia Schiffer – leicht
erotisch inszeniert – in einer Damenstrumpfhose für 9.90 Euro ablichtet und
Deutschland weit plakatiert? Da wird nicht die Strumpfhose zur Marke, sondern
„H & M“. Und es gibt zunächst erst einmal keine Argumente, eine Strumpfhose
für 15.20 Euro bei Dior zu holen.
„Geiz ist geil“
Was für den Moment (Herbst 2002) nur wie eine von vielen Werbekampagnen
aussah, ist offenbar zur Prägung eines neuen Lebensstils in Deutschland
geworden. Bitte überlegen Sie sich das: 2 Wörter, eines davon als Todsünde
der Katholischen Kirche im 17. Jahrhundert postuliert und auch für jeden
Nichtchristen so gar nicht lebenswert wird kombiniert mit dem zweiten Unwort
„geil“. Zum richtigen Zeitpunkt kommuniziert, führt es innerhalb kurzer
Zeit zur Umerziehung einer ganzen Nation in die völlig falsche Richtung.
Inzwischen geht es gar nicht mehr darum, dass Geiz geil ist, sondern
darum „Wie viel Geiz ist geil“. Kein Tag, an dem sich nicht ein Promi
äußert, dass er beim Discounter einkauft – beste Qualität. Und nicht nur
Lebensmittel, sondern auch Konsumgüter.
Ich glaube, wir sind uns einig: „Saturn“ hat nicht die theologische Kompetenz,
Geiz salonfähig zu machen.
Was steckt dahinter? Derjenige, der bei Saturn einkaufen geht, orientiert sich
an dieser Versprechung. Da haben wir es wieder: Marken helfen dem
Verbraucher, sich zu orientieren. Aber was ist denn das für eine
Orientierung? Es ist clever geworden, Geld beim Einkauf zu sparen und
dennoch Premium-Qualität zu erhalten. Die Wertschöpfung durch Marken
geht zunehmend verloren. Wir sind uns wohl in dieser Runde einig, wenn
dies so weiter geht, bin ich als Marketingmann meinen Job bald los und
für Ihre Branche ist auch keine Hoffnung in Sicht, weil die Chargen weiter
sinken. Sie werden den Druck auf die Hersteller vergrößern, diese gehen
entweder Pleite (was auch nicht ihr Ziel sein kann) oder sie versuchen, anders
zu handeln (was auch nicht ihr Ziel sein kann).
Und was hinzu kommt:
Der Markt ist gesättigt.
Wir sind satt. Die Uhr zum Zeitmessen, das Auto zum Fortbewegen,
Hose und Rock zum Anziehen. Auch die eine Pyramide, die zu Weihnachten
ins Wohnzimmer passt. Alles da. Und dennoch kommenständig neue
Produkte auf den Markt. Wer braucht denn das alles noch? In einer
Überflussgesellschaft wird nicht das Angebot knapp, sondern die Nachfrage.
Und trotzdem wird in immer mehr Verkaufsfläche immer mehr Ware
hingestellt. 50 % aller Discounter in Europa stehen in Deutschland. Was
will man denn aber noch konsumieren, wenn man satt ist?
Mehr Zeit.
Mehr Vertrauen in die Politik.
Das sind zwei der eigentlich aktuellen Bedürfnisse der Menschen – beide gerade
nicht im Angebot.
Dafür haben wir noch etwas im Überangebot:
Das Wort
„Informations-Overload“
macht die Runde, was nichts
anderes bedeutet, als das die Menge an Informationen vom Verbraucher nicht
mehr verarbeitet werden kann. Wie sollte er auch, wo doch täglich,
täglich 7.169 TV-Spots über die Fernsehkanäle flimmern, das sind
299 pro Stunde. 4 Milliarden Euro haben die 50 größten Marken allein
im letzten Jahr in deutsche Fernsehwerbung gesteckt. 60 Milliarden Euro
sind es insgesamt, die auf dem deutschen Markt in Werbung fließen.
Andererseits könnte derzeit das Interesse der Verbraucher an Werbung
kaum geringer sein als im Moment. 1960 erinnerten sich noch 40 %
der Zuschauer eines Werbeblocks an einen Spot. Heute sind es ganze
8 Prozent. Und „Was machen Sie, wenn eine Sendung für Werbung
unterbrochen wird?“ Antworten Sie für sich allein, ob Sie im
Trend sind: 19 Prozent zappen zum nächsten Sender, 14 Prozent stellen
den Ton ab, 7 Prozent ignorieren den Spot, 53 % verlassen den Raum
oder wenden sich anderen Dingen zu. Ganze 7 % sagen: Habe ich
gesehen.
Noch ein Beispiel aus dem Print-Bereich: Nicht einmal 2 Sekunden
schenkt der durchschnittliche Betrachter einer Anzeige.
Im Grunde genommen erklären sie uns alle – Spots wie Anzeigen - dass
das jeweilige Produkt beste Qualität hat. Davon gehen wir bei
Markenartikeln aber ohnehin aus. Und sie wollen uns animieren, etwas zu
kaufen, was wir eigentlich gar nicht benötigen.
Genug der schlechten Nachrichten. Sie sehen, meine sehr geehrten Damen
und Herren, bezüglich der Probleme sind Sie in bester Gesellschaft
mit den großen Markenartiklern dieser Welt. Das kann Sie sicher nur bedingt
trösten.
Wo liegt also in der Krise die Chance?
Zunächst möchte ich Ihnen die wichtigsten Konsequenzen aus der
gegenwärtigen Situation vorstellen, die Markenartikler derzeit ziehen oder in
Kürze ziehen werden.
Das ist nicht in jedem Falle spezifisch auf Ihre Branche ausgelegt.
Und es klärt auch noch nicht, ob wir über das Geschäft der Einzelhersteller
mit oder über die Wirkung der Kollektivmarke „Echt Erzgebirge - Holzkunst
mit Herz“ sprechen, vielmehr geht es zunächst um Markenartikel
Erzgebirgischer Holzkunst.
Jeder von Ihnen ist Unternehmer und muss Markenartikel verkaufen.
Deshalb kann ich Sie heute nur erst einmal mit einem Wissensvorsprung
ausstatten. Gern begleiten wir die Arbeit des Verbandes und des FHR auch
weiter, um in der kommenden Etappe dann gemeinsam die
Frage zu beantworten haben, wie wir diese Erkenntnisse für ein
Branchenwachstum nutzen.
Los geht` s.
1. Die Marke braucht den Dreiklang.
Bekanntheit – Sympathie – Verwendung
Wie schaffen wir es, dass bekannte Marken als sympathisch gesehen
werden, weil das die alles entscheidende Frage und die
Grundvoraussetzung für eine tatsächliche Kaufentscheidung ist?
Dass Bekanntheit allein keinen Absatz bringt, spüren Sie. Und
dabei können wir sogar noch unterstellen, dass wir sympathisch
gesehen werden. Wie gelingt der Sprung zur Verwendung? Indem
die Hersteller und der Handel in Zukunft das machen, was gute
Marken tun müssen: Sie müssen gemeinsam ihre Kernkompetenzen
herausstellen/kommunizieren: Was können nur wir, was und
bekommst du warum nur von uns? Was ist das besondere
unserer Erzeugnisse und unserer Dienstleistung?
Es beantwortet sich hier die bereits eingangs gestellte Frage: Warum
soll ein Konsument die Erzgebirgischen Produkte kaufen – und warum
gerade bei Ihnen? Weil er einen doppelten Nutzen hat: Einen
funktionalen und einen emotionalen. Wir müssen
ihm eine Markenwelt „verkaufen“, in der er sich gut aufgehoben fühlt.
Wenn wir es auf die Funktionalität der Pyramide beschränken, liefern
wir ihm nur ein Argument: Dreht sich. Und er sagt uns, die billige aus
Fernost macht es auch. Da hat er sogar noch Recht. Unsere hält
vielleicht ein paar Jahre länger, aber für den Preis kann er sich ja im
Bedarfsfalle eine neue kaufen. Wir müssen ihm also
neben diesen sachlichen Eigenschaften emotionale Vorzüge bieten –
und die kommen vor allem aus dem Wert. Aber den müssen
wir inszenieren. Überspitzt: Wer Erzgebirge verschenkt oder sammelt
lebt ein anderes Leben, der ist „wer“. Das muss und kann Kult
werden, denn es transportiert ein bestimmtes begehrliches
Lebensgefühl. Das ist der Mehrwert unserer Marke. In diesem
Zusammenhang ist auch das Thema „Generationsübergreifende
Marke“ zu sehen. Wer kennt sie, wer empfiehlt sie. Wird sie
über die Generationen hinweg vererbt und dadurch empfohlen?
Erzgebirgische Holzkunst hat das Potenzial dazu, weil es keine
vergleichbare zweite Marke gibt. Das ist ein ganz großer Vorteil,
den kaum eine andere Marke zu bieten hat.
Und Ihnen, meine Damen und Herren Händler, bietet das Erzgebirge
die Chance, daran zu verdienen.
2. Die Hersteller aus dem Erzgebirge brauchen eine Antwort auf die
Frage, wofür die Marke „Erzgebirgische Holzkunst“ heute und in
Zukunft steht.
Denn nur wenn diese Frage beantwortet ist, ist auch klar, wie
wir in Erscheinung treten, zu welchem Preis wir wo verkaufen
und welche Werbung wir aufbauen.
Wissen Sie, wofür Becks steht? Für Freiheit und Abenteuer. Deshalb
seit Jahren das Segelschiff. Die verkaufen kein Bier, sondern eine
Lebensqualität.
Wissen Sie, wofür Radeberger steht? Für Kunst-Genuss. Deshalb
seit Jahren die Semperoper. Die verkaufen auch kein Bier, sondern
große Kunst.
Wissen Sie, wofür Dr. Best steht? Nicht für geputzte Zähne (wie all
die anderen Zahnbürsten), sondern für gesundes Zahnfleisch, das beim
Putzen nicht beschädigt wird. Die verkaufen den Mehrwert, der darin
Steckt. Und erzielen einen Preis, der um 30 % über dem des Marktes
Liegt. Das ist Wertschöpfung.
Und wofür steht Dalmayer? Für handwerkliche Fertigung, höchste
Qualität, Atmosphäre im Fachgeschäft und letztlich für vollendeten
Kaffeegenuss.
Und wofür steht Erzgebirgische Holzkunst? Für Qualität und
Tradition (reicht nicht, denn das gilt für das Bier auch).
Für Handarbeit - mit Herz. Das sagt zwar was zum Wert und zum
Preis aus, aber nicht zum Lebensgefühl aus, was sich bei mir einstellt,
wenn die ich Produkte verwende. Hier gibt es Ansätze für die
Kommunikation.
3. Wie kommen wir bei Erzgebirgischer Holzkunst vom Bedarfs- zum Lustkauf?
Wenn es nach dem Bedarf geht, so ist das Gesamtpotenzial Ihrer
Käufer deutlich kleiner als wenn wir daraus einen Lust-Kauf machen.
Denn das in der Studie ausgewiesene Potenzial steht zunächst erst
einmal nur für eine mengenmäßige Angabe. Aber das sagt noch
nichts aus, ob diese Käufer, die unsere Produkte offenbar
bisher nicht benötigt haben, uns in Zukunft kaufen wollen.
Denn irgendwann ist die Weihnachtsdekoration vollständig, mehr
verträgt die Wohnung nicht. Und vom saisonalen Geschäft kommen
wir so auch nicht weg.
Das könnte die Werbung leisten, wenn es denn eine Wahrnehmbare
gäbe. Doch mit dem Ausbleiben der Fördermittel sind Werbung und
Kommunikation der Branche weitgehend zum Erliegen gekommen.
Aber Kommunikationsdruck brauchen wir mehr denn je, denn der
Verbraucher kauft zuerst Marke - und dann Produkt. Deshalb müssen
die Produkte auch halten, was die Marke verspricht. Und das tun
sie ja in unserem Falle auch.
Mercedes beispielweise hat es geschafft vom Bedarfs- zum Lustkauf
abzuheben. Denn wenn schon ein Auto ein Bedarfsgut ist, ein
Mercedes ist es nicht. Aber Mercedes wird ja auch nicht als Fahrzeug
zum Fortbewegen vermarktet, sondern es wird die Leidenschaft fürs
Fahren „verkauft“. So müssen wir also auch überlegen, ob wir
beispielsweise unsere Erzeugnisse als nützliche Dekoration
kommunizieren oder daraus eine Leidenschaft machen, ob
Erzgebirgische Holzkunst Teil eines modernen Life styles wird.
(Schenken und Verschenken - erste Ansätze dafür gab es schon
einmal).
Übrigens: Die Marke kann auch dort zum Lustkauf werden, wo sie
angeboten wird: Nehmen Sie die Marke Boss. In den Läden dieser
Marke ist das Einkaufen ein Erlebnis. Der Preis relativiert sich. Und
damit sind wir bei den Vertriebsschienen und auch bei Ihnen, beim
FHR.
4. Die Distribution der Marke
Als die Hersteller 1994 begannen, „Echt Erzgebirge – Holzkunst mit
Herz“ auf dem deutschen Markt zu platzieren, haben Sie vieles richtig
gemacht. Unter anderem, den gehobenen Fachhandel als Partner
vorzusehen, ihn zu stärken, ihm Verkaufsargumente in die
Hand zu geben. Inzwischen hat sich die Landschaft des Handels
geändert.
Wo sollen die Hersteller also in Zukunft die Erzgebirgischen
Erzeugnisse anbieten?
Über welche Vertriebskanäle kann der bisherige Verwender der
Erzeugnisse bestärkt werden, wie lässt sich eine neue Nachfrage
inszenieren? Sicher zunächst durch den Verkauf beim Hersteller und
in den guten Geschäften innerhalb des Erzgebirges.
Und weiter? Im Internet? Im gehobenen Fachhandel mit dem
gegründeten Fachhandelsring? Im Baumarkt? Über Versandhäuser?
Wo lässt sich die Magie des Unverwechselbaren, die unseren
Erzeugnissen inne wohnt, am eindrucksvollsten inszenieren?
Oder doch Distribution in die Breite? Marken im Kaufhaus bringen
Umsatz. Und mehr Umsatz brauchen die Branche dringend.
Aber die Hersteller wissen auch, dass sie daran gemessen werden,
welchen Ertrag Sie in Zukunft erwirtschaften, welche Wertschöpfung
Sie erreichen. Sie sehen: Ihnen und den Herstellern geht es auch
in diesem Punkt ähnlich. Marken im Kaufhaus oder im Baumarkt
können keinen wirklichen Ertrag bringen, weil der Kunde nur bereit
ist, das Erzeugnis wegen seines Preises zu kaufen, nicht wegen seines
Wertes. Weil der Wert ihm auch nicht mit verkauft wird. Wo ist denn
Die Aura des Unverwechselbaren? Ich sage Ihnen: Hugo Boss im
Wühltisch bei C & A ist der Anfang vom Ende.
5. Marken brauchen Innovationen.
Innovationen haben grundsätzlich zwei Komponenten: Eine
wirkliche Idee und die anschließende Realisierung, also die
Machbarkeit. Hierbei geht es immer um das Jungerhalten der Marke.
Das meint keineswegs nur neue Produkte, das meint auch neue
Motive in der Werbung, neue Wege im Vertrieb, intelligente
Lösungen in der Verpackung. Sie erinnern sich an das
Beispiel mit der Kirche. Es geht dort auch nicht um neue
Inhalte, aber um die Frage, wie sie – abgestimmt auf den Zeitgeist
und die Bedürfnisse der Zielgruppe – dargeboten, also „verkauft“
werden.
In diesem Zusammenhang zu sehen ist auch der alljährlich vergebene
Design-Preis „Tradition und Form“. Wir wissen aus der
Befragung, dass der Wunsch der bisherigen Verwender von
Erzgebirgischer Holzkunst nach modernen Motiven nicht besonders
stark ausgeprägt ist. Das ist der schmale Grat zwischen dem
Sich-Treu-Bleiben und etwas anderem/neuen zu machen.
6. Marken brauchen Kommunikationsdruck mit Kontinuität
Die Werbeausgaben der gesamten Branche der Erzgebirgischen
Hersteller sind - gemessen an der dargestellten Menge an
Informationen, die auf unsere Endkunden einströmen, nicht wirklich
wahrnehmbar. Sie als Händler wünschen sich aber Werbung für die
Markenerzeugnisse, die Sie verkaufen.
Eine Grundregel besagt: Zwischen 1 und 3 Prozent des Umsatzes
in die Vermarktung. Einige Markenartikler sprechen inzwischen
von 6 Prozent. Aber bleiben wir beim Mittelwert, 3 Prozent.
Das hieße, 1,5 Millionen Euro fließen in die Werbung der Branche.
In die Produkt bezogene Werbung der Unternehmen und in die
Dachmarkenwerbung des Verbandes.
Was ist mit Kontinuität gemeint? Die Kampagne von Marlboro
beispielsweise. Seit 15 Jahren vermittelt der Cowboy ein
unverwechselbares Lebensgefühl mit dieser Zigarette, die – rein
produktbezogen – austauschbar ist. Und die
Herausforderung besteht darin, diese Kontinuität zu wahren und die
Markenkommunikation immer wieder zu modernisieren und
anzupassen an den Zeitgeist. Ich verrate Ihnen nicht zuviel: Bald wird
eine Frau im Sattel sitzen – in dem Maße, wie die Emanzipation
voran(reitet) wird aus dem Cowboy eben ein Cowgirl. Lupenreine Kontinuität.
Oder Barcadi. Seit 1980 werden Sonne, fun in der Gruppe
und Getränk verkauft. Lediglich die Bekleidung der Akteure passt sich
dem Zeitgeschmack an.
Was wir meiner Einschätzung nach hier im Erzgebirge brauchen ist
ebenfalls ein solches Keyvisuell, das mit wahrnehmbaren
Druck kontinuierlich kommuniziert wird.
Was unterscheidet Marken von Erzeugnissen, die nicht
Marke sind? Unter anderem, dass nur die Markenartikler eine
Kommunikation um die Marke aufbauen, bisher meist eine
klassische Werbung. Das heißt, eine Marke stellt ihre Vorteile
gegenüber der anderen oder dem Erzeugnis der Nichtmarke
heraus. Und dieser Unterschied wird natürlich auch dort herausgestellt,
wo die Ware verkauft wird. Damit haben auch Sie als
Verkäufer einen Nutzen davon.
Bezogen auf unsere Branche hier bedeutet das, wir
müssen klar kommunizieren, was macht den Unterschied zu
den Erzeugnissen aus Fernost aus.
Denn, ob wir es wollen oder nicht, auch diese Erzeugnisse sind in den
Augen und Köpfen der Verbraucher zu einer Marke geworden:
„Das sind die Sachen aus Fernost“. „Die erkennt man am Preis.“
„Und die haben kein Echtheitszertifikat.“ Und was wir uns wünschen
wäre noch: „Denen sieht man die (primitive) Fertigung an.“
Alles, was eine Marke braucht, ist vorhanden: Differenzierung und
Orientierung.
Und wo sind unsere Aussagen, die beim Endkunden und beim Handel
ankommen? (Ich meine nicht das, was Sie und ich wissen, was uns
wirklich unterscheidet), es geht darum was ankommt.
Abgesehen davon, dass Ware aus Fernost immer ähnlicher wird und
gar kein wirkliches Plagiat sein muss, um täuschend ähnlich
auszusehen.
In der großen Werbewelt werden die Marken immer ähnlicher. Ein
Anzug von Boss oder von Joop dürften, wenn man das Etikett abtrennt,
nur die wenigsten unterscheiden können. Und da spreche ich zum
Beispiel gar nicht über Trinkmilch.
In der großen Werbewelt werden die Produkte immer ähnlicher und
die Kampagnen. Chicke, smarte Männer auf dem Weg zu Golf – ich
decke in der Anzeige die Marke ab – wir wissen nicht, um wen es
geht. Auch die Strategie wird immer ähnlicher. Eine große Marke
produziert die erste Handelsmarke, die zweite macht mit. Woher
kommt das? Weil diejenigen, die für die Strategien verantwortlich
sind, zuerst nach rechts und links schauen was der Mitbewerber
macht und dann erst nach vorn.
Und was wird Ihnen angeboten? Erzeugnisse, die immer
ähnlicher werden. Wo Sie als Händler für den Käufer keine
wirklichen Argumente in der Hand haben, warum er sich gerade
für diese Produkte entscheiden soll. Die haben Sie mit der
Erzgebirgischen Holzkunst einen Glücksfall der
Markenwelt im Regal. Es sind keine sogenannten me-too-Produkte,
jedes ist einzigartig. Dass, was die Werbung sonst behaupten muss,
stimmt in diesem Falle.
Damit haben wir hervorragende Chancen, in einer Krisensituation wie
wir Sie gegenwärtig alle in Deutschland bezogen auf das
Konsumentenverhalten erleben, Erzgebirgische Holzkunst weit nach
vorn zu bringen.
7. Blicken Sie mit den Augen der Verbraucher
Gegenwärtig erleben die Verbraucher, die bei Ihnen in den zertifizierten
Fachgeschäften stehen, drei Markenebenen: Das Signet an der Tür und
ggf. die Mitgliedsurkunde, die Vielzahl der Einzelmarken und die
Dachmarke „Echt Erzgebirge – Holzkunst mit Herz“.
Erinnern Sie sich an die gegenwärtige Tendenz „Marken werden immer
ähnlicher“? Das gilt auch für die Erzgebirgische Branche. Wenngleich
sich Firmensignet von Firmensignet schon unterscheidet und der Kenner
auch den Unterschied sieht, der Endkunde sieht in seinem Kopf zunächst
einen Dachbegriff: Erzgebirgische Holzkunst.
Und das ist gut so.
Denn dieser Dachbegriff bietet Vorteile: Marketingsynergien, vor allem in
der Werbung und in Bezug auf den Handel, der sie schneller akzeptiert
und sich gern damit schmückt. Und natürlich in der Kraft, die in ihr
steckt.
8. Leben Sie eine Partnerschaft.
Wenn sich zwei oder mehrere zusammenschließen, dann muss es für
jeden Beteiligten Vorteile geben. Ansonsten brauche in den
Zusammenschluss nicht.
Aber ein solcher Zusammenschluss ist auch ein Kompromiss – und
nicht alle Wünsche, die im Einzelfall durchaus berechtigt sein mögen,
lassen sich in einem solchen Zusammenschluss auch realisieren.
Die Frage ist doch immer: Gibt es gemeinsame Ziele? Natürlich
gibt es auch individuelle Ziele (jedes Herstellers, jedes Händlers),
aber diese lassen sich nicht allein über den Zusammenschluss
erzielen. So ist jeder erzgebirgische Hersteller allein für sein
Geschäftsergebnis verantwortlich und er kann diese Verantwortung
auch nicht auf den Verband übertragen, wenn es mal nicht so gut
läuft. Gleiches gilt für Sie.
Gleiches gilt aber auch, wenn der gesamte Handel unter Druck ist,
lassen sich die Probleme nicht auf den Hersteller übertragen.
Von diesem Konflikt profitieren in unserem Falle doch nur diejenigen, die
über Menge und Preis verkaufen – ohne Kundenbindung, ohne
Qualitätsversprechen, ohne Beratung, ohne Service, ohne Vielfalt,
ohne persönliche Kompetanz – alles Argumente, die für Sie sprechen.
Es ist schwierig, den FHR als ein Gremium Gleichgesinnter zu
profilieren. Es besteht die Gefahr des Vertrauensverlustes bei der
Integration von Händlern, die nicht dem Grundwesen entsprechen.
Natürlich muss das erst einmal klar definiert sein – was hier in unserem
Falle am Anfang nicht so deutlich fixiert worden ist.
Es besteht auch die Gefahr negativer Ausstrahlungseffekte bei (ich zitiere
Herrn Fuidl) „Wald- und Wiesenhändlern“ auf den ganzen Ring. Und es
gibt einen höheren Koordinierungsaufwand innerhalb einer solchen
Vereinigung bis hin zu höheren Kosten.
Die hier genannten Risiken sind Ihnen alle begegnet. Und vielleicht
führten sie in manchem Kopf auch zu Frage des Sinns eines
Fachhandelrings.
Ich kann Ihnen nur sagen: Die hier genannten Schwierigkeiten finden
Sie in jedem Marketing-Lehrbuch und sind eher aufgeschrieben
worden als es je den FHR gab. Es sind jene Schwierigkeiten, die
gesetzmäßig dann wirken, wenn es derartige Vereinigungen und
Markenverbände gibt. Es hat also wirklich nichts mit Ihnen und dem
Verband zu tun, auch wenn Sie hier sind, um es konkret an diesem
Beispiel zu besprechen.
Ich will weder der Diskussion von morgen noch der
Marketingempfehlung für den Verband, die wir auszuarbeiten haben,
vorgreifen, doch gestatten Sie mir zurückzukehren zu den gemeinsamen
Zielen und der Markenwelt im Kopf der Verbraucher:
1. Überdenken Sie, welche Ihre Vorstellungen und Wünsche sind vom
Verband der Erzgebirgischen Kunsthandwerker
überhaupt realisierbar und welche nicht.
2. Schaffen Sie gemeinsam mit den Kunsthandwerkern klare
Kriterien, welche Fachgeschäfte Mitglied im FHR sein können
und welche nicht. Werben Sie neue Mitglieder, stärken Sie die
eigenen Reihen. So wächst die Bedeutung des FHR. Es muss
eine Begehrlichkeit entstehen, dazu gehören zu dürfen.
3. Schaffen Sie eine attraktive Verkaufswelt für die Gesamtheit der
Erzgebirgischen Holzkunst. Das braucht die Marke, das bringt
Ihnen zugleich einen höheren Deckungsbeitrag, weil der Kunde
eintauchen kann in diese exklusive Welt. Handeln Sie diese
wertvolle Marke nicht irgendwo und irgendwie nebenbei,
sondern in höchster Verkaufsqualität und das ganze Jahr.
4. Das stärkste Verkaufsargument bezogen auf den Endkunden ist
nicht das Logo des FHR, sondern die Markenkennzeichnung
der Produkte. Das Signet des Rings weißt Sie als einen besonderen
Händler aus, aber ist nicht geeignet zur Kennzeichnung von Ware.
Und hat auf der Verpackung nichts zu suchen.
5. Fordern Sie vom Verband und seinen Mitgliedsfirmen Aktionen zur
Verkaufsförderung, zur Werbung und zur Öffentlichkeitsarbeit.
Damit Sie einen Vorteil haben von dieser Marke und dargestellt
werden als ein besonderer Fachhändler. Werben Sie in Ihren
Geschäften mit der Erzgebirgischen Marke, nicht nur mit dem
Signet des FHR.
6. Gehen Sie mit denen in die Diskussion, die den Ansprüchen an
Fachhandelsring-Geschäften nicht gerecht werden. Die den
Vorzug, ein autorisiertes Fachgeschäft zu sein, nicht leben.
7. Zeigen Sie Ihren Kunden, was den Unterschied ausmacht im
Vergleich zu „Wald- und Wiesen-Händlern“, Baumärkten oder
Warenhäusern mit Wühltischen. Das einzigartige Produkt liefert
Ihnen das Erzegebirge. Jetzt sind Sie dran: Service, Garantien,
Fachwissen, Zusatzinformationen, Präsentationsform.
8. Reduzieren Sie Ihre Diskussionen mit dem Erzgebirge nicht auf
Konditionen und Preise. Der Spielraum ist zu klein - und das
stellt auch nicht den eigentlichen Wert der Marke dar. Sondern
halten Sie die Spanne und den ideellen Wert hoch, planen Sie
eigene Promotions, Verkaufsanreize für Ihre Stammkunden.
Sorgen Sie dafür, dass die Menschen gern zu Ihnen kommen.
Für das tolle Sortiment sorgt das Erzgebirge.
9. Es gibt keinen Ausschließlichkeitsanspruch. Sicher werden wir mit den
Verbandsmitgliedern auch diskutieren, über welche Wege und
wo verkauft wird. Eines jedoch scheint sicher: Gute Fachgeschäfte
im Erzgebirge wird es weiter geben. Und die Preise werden hier
anders sein als auf der Zeil in Frankfurt, als in Düsseldorf, Hamburg
oder München. Das hat insbesondere etwas mit Transport und
Mieten zu tun. Für viele Touristen ist es ein wesentlicher Grund, das
Erzgebirge zu besuchen, um die Heimat der Erzgebirgischen
Holzkunst kennen zu lernen. Sie müssen nicht in Sorge sein, dass
Ihnen dadurch Kunden wirklich verloren gehen. Wenn alle nur danach
schauen würden, ob am Ursprungsort eine Ware billiger ist als beim
guten Fachhändler, würden Teppiche nur noch in der Türkei gekauft,
Möbel im Werksverkauf, Benzin in Tschechien. Gerade das will der
Konsument aber nicht. Er fährt nicht ins Erzgebirge, um Holzkunst
zu kaufen, sondern um Urlaub zu machen – und davon bringt er
sich etwas mit. Und er geht zu Ihnen, um etwas besonderes zu
kaufen. Enttäuschen Sie ihn nicht.
Ich hoffe, für Gesprächsstoff gesorgt zu haben und bedanke mich
für Ihre Aufmerksamkeit.